Das Emil Schumacher Museum Hagen Homepage ESMH.de
Am 28. August 2009 eröffnet das Emil Schumacher Museum. Das Haus ist dem Lebenswerkdes Hagener Künstlers Emil Schumacher gewidmet, einem der bedeutendsten Vertreterexpressiver Malerei in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts.Die Sammlung des Emil Schumacher Museums geht auf eine Stiftung Ulrich Schumachers,des Sohnes des Künstlers zurück. Sie umfasst 88 Ölgemälde aus den Jahren 1936 bis 1999,200 Gouachen, Grafik, 25 Keramiken, 50 Bilder auf Porzellan und 10 Malereien auf Schiefer.Zur Sammlung gehören zudem 100 Werke aus dem Besitz der Stadt Hagen.
Aufgabe des Museums ist es, das Werk Emil Schumachers zu erforschen, zu präsentieren,zu erklären und für spätere Generationen zu bewahren. Das Museum will einem breiten Publikum Methode und Ästhetik Schumachers vorstellen und sein Werk national undinternational verbreiten. Das Emil Schumacher Museum versteht sich als Ort der Erforschung der Malerei des Abstrakten Expressionismus im Zusammenhang mit dem Werk Emil Schumachers. Mit seinem Ausstellungsprogramm wird es den Künstler im Zusammenhang mit parallelen internationalen Kunstentwicklungen und seinem zeitlichen Umfeld präsentieren. Darüber hinaus wird es in regelmäßigen Ausstellungen junge zeitgenössische Künstler vorstellen, deren Arbeit in formaler oder inhaltlicher Nähe zum Werk Schumachers steht.
Eröffnungsausstellung: Material als Motiv
Ausstellungsparcours
Das Emil Schumacher Museum besitzt 1100 qm Ausstellungsfläche auf drei Etagen. Der Rundgang beginnt mit dem Atelier im Erdgeschoss. Der Raum zu Füßen der Treppenanlage führt Besucher in Leben und Werk Emil Schumachers ein. Um Technik und Arbeitsmethoden Schumachers anschaulich zu machen, wurde das Hagener Atelier des Künstlers in das Museum überführt, wo es, zusammen mit Filmausschnitten und einer illustrierten Biografieals Dokumentations- und Studienraum eingerichtet ist.
Der Ausstellungsbereich im ersten Obergeschoss widmet sich der Entwicklung von Schumachers künstlerischer Auffassung, vom Frühwerk der 30er Jahre bis zu den Arbeitender Spätphase in den 90er Jahren und erlaubt einen Blick auf alle von Schumacher verwendeten Techniken. Im Eingangsraum sind den kleinformatigen frühen Arbeiten der Jahre 1936 bis 1951 drei großen Leinwände der Spätphase gegenübergestellt. Im weiteren Rundgang stehen die Arbeiten auf Papier im Vordergrund: Der zweite Raum ist Schumachers Reisen nach Nordafrika und Mesopotamien gewidmet, der folgende Bereich den sogenannten Gouachen, großformatigen Arbeiten auf Papier, einem Medium dessen Möglichkeiten Schumacher sein ganzes Leben über auslotete. Der nächste Abschnitt präsentiert Schumachers grafisches Werk, der anschließende Tageslichtraum stellt Keramiken und Arbeiten auf Porzellan vor.
Katalog
Anlässlich der Eröffnung des Museums erscheint im Klartext-Verlag ein dreibändiger Eröffnungskatalog. Er ist ab Ende August zum Preis von € 22,- erhältlich. ISBN: 978-3-89861-839-7.
Das Werk Emil Schumachers Emil Schumacher ist der bedeutendste deutsche Vertreter des Abstrakten Expressionismus. Seine Arbeiten entstanden in einem Dialog mit dem Bild an dem er arbeitete. Der noch unbemalten Leinwand wurde ‚etwas entgegengesetzt’, eine Linie, ein Fleck, bisweilen eine Zerstörung des Malgrundes. Auf jedes neue Element musste eine ‚Antwort’ gefunden werden, bis ein Zustand eintrat, an dem der Künstler entschied aufzuhören. Diese evolutionäre Arbeitsweise hat starke Parallelen zum Action Painting: In beiden Fällenentstehen die Bilder aus der Bewegung des Malers heraus und aus der malerischen Entwicklung von Elementen, die sich gegenseitig während des Malprozesses beeinflussen.
Das Prinzip, ohne Vorzeichnung oder formale Vorstellung vom Ergebnis an ein Werk heranzugehen, ist frühzeitig (etwa von Clement Greenberg) als symbolisch gedeutet worden für eine neue und unbegrenzte Freiheit, die sich der Kunstanschauung totalitärer Systeme entgegenstellt. Emil Schumachers Werk kann in diesem Sinne sowohl als ‚freie’ Malerei angesehen werden, als auch darüber hinaus als ‚befreiende’ Malerei, die ihren Betrachtern alle Freiheit der Interpretation lässt. Emil Schumachers Verhältnis zur Farbe war haptisch und geprägt von seinem starken Interesse an handwerklich sicherem Umgang mit seinem Material. So mischte Schumacher seine Pigmente selbst an, womit er die Materialität des Pigments zum zentralen Bestandteil seiner Bilder erhob. Seine bevorzugten Farben waren dabei Blau, Rot und Gelb, durchbrochen von schwarzen Bögen oder Linien. Zu den eindrucksvollsten Merkmalen seiner Kunst zählt die sinnliche Leuchtkraft seiner Bilder die in dramatischem Kontrast zur zumeist brüchigen Bildoberfläche steht.
Emil Schumachers Werk zeigt seinen Betrachtern die Ambivalenz der beiden im 20. Jahrhundert einander gegenüber gestellten Begriffe der Abstraktion und Gegenständlichkeit und löst sie geradezu spielerisch auf. Seine Bilder sind zunächst der Gegenstand an sich, durch ihre betonte Materialität ausgesprochen dinglich, wenn auch im Bildgegenstand ‚abstrakt’. Zugleich gibt es in allen Schaffensperioden figurative Elemente, die in ihrer Simplizität an Höhlenmalerei oder Hieroglyphen erinnern, dabei aber nicht das Aussehen, sondern das Wesen eines Gegenstandes wiedergeben wollen.
Architektur
Das Emil Schumacher Museum, entworfen vom Mannheimer Architekturbüro Lindemann Architekten, ist ein rechteckiger Sichtbetonbau, der von einer Glashülle ummantelt wird.
Durch eine farbige Lichtinszenierung tritt die Nachtansicht des Museums in besonderen Kontrast zur Tagansicht: Bei Tag hebt das auftretende Sonnenlicht die Struktur der Fassade als zentrales Element hervor, bei Nacht leuchtet das Gebäude von innen heraus. Der massive Baukörper wird so mit Licht belegt, dass die großen vertikalen Betonflächen als Lichtträger sichtbar werden. Auffälligstes architektonisches Element ist die vom Museumsplatz einsehbare, langgestreckte Treppenanlage, die das Gebäude erschließt.
Umwelttechnologisch befindet sich das ESMH an der Spitze internationaler Museumsbauten: Eine Geothermieanlage sichert ein stabiles Klima in den Ausstellungsräumen und Depots. Die zweischalige Architektur mit ihrer beheiz-, bzw. kühlbaren Glashaut über dem konditionierten Betonkern gewährleistet maximale Klimastabilität bei minimalem Einsatz nicht-regenerativer Energien. Die in die Gebäudehülle integrierte Solaranlage wandelt zusätzlich Sonnenenergie in Solarstrom.
Baudaten
Emil Schumacher - Biografie
1912 geboren am 29. August in Hagen als drittes Kind von Anna und EmilSchumacher.
1926 -1932 Besuch der Oberrealschule in Hagen. Als 16jähriger unternimmt Emil Schumacher eine vierwöchige Fahrradtournach Paris.
1932 – 1935 Studium der freien Grafik an der Kunstgewerbeschule Dortmund mit der Absicht Werbegrafiker zu werden. Während der Studienzeit reist er mehrfach mit dem Fahrrad ins Ausland, unter anderem über den St. Gotthard bis zum Lago Maggiore.
1935 - 1939 Freier Maler ohne Beteiligung an Ausstellungen. Er unternimmt, wiederum mit dem Fahrrad, Studienreisen nach Holland und Belgien.
1939 - 1945 Dienst verpflichtet als Technischer Zeichner in einem Hagener Rüstungsbetrieb, den Hagener Akkumulatoren-Werken.
1941 Heirat mit Ursula Klapprott. Geburt des Sohnes Ulrich
Seit 1945 Unmittelbar nach Kriegsende Neubeginn als freier Künstler
1947 Erste Einzelausstellung in dem von dem Wuppertaler Architekten Rasch eingerichteten Studio für neue Kunst. Mitbegründer der Künstlervereinigung junger westen.
1948 Kunstpreis junger westen der Stadt Recklinghausen.
1950 Sommeraufenthalt in Ascona am Lago Maggiore.
1951 Reise nach Paris mit Thomas Grochowiak und Ernst Hermanns.
1954 Beteiligung an der von Willem Sandberg im Stedelijk Museum, Amsterdam, veranstalteten Ausstellung Deutsche Kunst nach 45: Zum ersten Mal nachdem Krieg wird zeitgenössische Kunst aus Deutschland im Ausland gezeigt.
1955 Beteiligung an der Ausstellung Peintres et sculpteurs non-figuratifs en Allemagne d’aujourd-hui in Paris, mit der René Drouin im Cercle Volney 10 Jahre nach Kriegsende erstmals wieder deutsche Gegenwartskunst in Frankreich zeigt. Kunstpreis der Stadt Iserlohn.
1956 Auf der Suche nach neuen bildnerischen Mitteln und Materialien entstehen dieersten Tastobjekte.Conrad-von-Soest-Preis, Münster.
1958 Reisen nach Spanien, Italien und Tunesien. Teilnahme an der XXIX. Biennale di Venezia. Karl-Ernst-Osthaus-Preis, Hagen.Guggenheim Award (National Section), New York.
1958 - 1960 Professur an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg.#1959 Teilnahme an der documenta II in Kassel, sowie an der V. Biennale de SãoPaulo. Erste Einzelausstellung in New York in der Samuel M. Kootz Gallery. Preis des japanischen Kultusministers anläßlich der V. International Art Exhibition, Tokio. Menzione d'Onore, anläßlich des XI. Premio Lissone.
1962 Reise nach Libyen und Tunesien. Sommeraufenthalt in Anguillara am Lago di Bracciano. Premio Cardazzo, anläßlich der XXX. Biennale di Venezia. First prize silver medal, Bang Danh-Du Award anläßlich der 1st International Arts Exhibition, Saigon.
1963 Einzelausstellung als deutscher Beitrag zur VII. Biennale de São Paulo. Reisen nach Brasilien, Argentinien, Uruguay, Peru und Bolivien schließen sich an.
Abermaliger Sommeraufenthalt in Anguillara, es entstehen Bilder und Gouachen, die in der Galeria La Medusa in Rom gezeigt werden. Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.
1964 Teilnahme an der documenta III in Kassel.
1965 Zweiter Preis der VI. Exposition Internationale de Gravure, Ljubljana. Reise durch Jugoslawien, nach Montenegro, in die Herzegowina und nach Bosnien.
1966 - 1977 Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste,Karlsruhe.
1966 Prize of the Governor of Tokyo, anläßlich der 5th InternationalBiennale Exhibition of Prints, Tokio.Reise durch Norwegen.
1967 - 1968 Gastprofessur an der Minneapolis School of Art , Minneapolis. In Minneapolis entsteht eine Reihe von Arbeiten auf Papier, die als Minneapolis Suite 1968 in der Lefebre Gallery in New York und im Jahr darauf in der Galerie de Montréal in Montreal ausgestellt wird. Ausgedehnte Reisen durch die USA. Erwerb eines Atelierhauses auf Ibiza.
1968 Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Mitglied der Akademie der Künste, Berlin.
1969 Winteraufenthalt auf der tunesischen Insel Djerba. Hier entstehen in den folgenden Jahren die Djerba Gouachen.
1971 seit 1971 regelmäßige Frühjahrs und Sommeraufenthalte auf Ibiza.
1974 Herbstaufenthalt in Cunardo am Lago Maggiore wo in der Ceramica Ibis die ersten Keramiken entstehen. Preis der Stadt Ibiza anlässlich der Graphik-Biennale 1974.
1975 Winteraufenthalt auf Djerba.1978 August Macke Preis der Stadt Meschede.
1980 Reise durch Tunesien und Winteraufenthalt in Hammamet.
1982 Mitglied des Ordens Pour le mérite für Wissenschaften undKünste.Rubenspreis der Stadt Siegen, Ehrenring der Stadt Hagen.
1983 Reise nach Marokko, wo die 36 Blätter umfassende Suite Maroc entsteht. Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der BundesrepublikDeutschland.
1985 Ehrengast der Deutschen Akademie Rom, Villa Massimo.
1987 Jörg-Ratgeb-Preis der Stadt Reutlingen.Preis der Europäischen Akademie für Bildende Kunst, Trier. Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.
1988 Im Oktober 1988 zehntägige Reise in den Irak. Silber-Medaille anlässlich der 2. Internationalen Biennale in Bagdad, Irak. Gestaltung einer 20 Meter breiten Keramik-Wand im neuen Gebäude des Landtages von Nordrhein-Westfalen. Ehrenbürgerschaft der Stadt Hagen.
1990 Herbert-Boeckl-Preis für moderne europäische Malerei, Salzburg.Erster Preis der 1. Biennale Européenne de l'estampe contemporaineDiekirch, Luxembourg.
1991 Grand prix d'honneur, Goldmedaille anläßlich der XIX. Biennale Internationalede Gravure, Ljubljana.Harry-Graf-Keßler-Preis des Deutschen Künstlerbundes. Gastprofessur beim Concorso Superiore Internazionale del Disegno der Fondazione Antonio Ratti, Como.
1992 Verleihung des Doktorgrades ehrenhalber durch die Universität Dortmund.
1993 Salle d'honneur der XX. Biennale Internationale de Gravure, Ljubljana.
1996 Gestaltung einer 20 m langen und 3 m hohen Mosaik-Wand für die Metro-Station Colosseo in Rom.
1997 Grand prix d'honneur der Internationalen Graphik-Triennale
1997, Krakau. Verleihung der Ehrenbürgerwürde an der Friedrich-Schiller Universität, Jena.
1998 Auftrag für ein Wandgemälde im Gebäude des Reichstages Berlin (Ausführung 1999).
1999 Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste, Dresden.
Emil Schumacher stirbt am 4. Oktober 1999 in San José/Ibiza.
Der Stifter
Der wissenschaftliche Leiter
Alexander Klar studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Vor Abschluss seiner Promotion über Stiltheorie des 19. Jahrhunderts begann er seine Museumslaufbahn am Solomon R. Guggenheim Museum in New York als Assistent der Ausstellung A Quintessence of Drawing. Es folgten Stationen an der Peggy Guggenheim Collection in Venedig und an der Kunsthalle in Emden.
2004 wechselte Alexander Klar ans Research Department Victoria and Albert Museum in London, wo er als Ausstellungskurator die Surrealismus-Retrospektive Surreal Things betreute. Seit Mai 2008 ist Alexander Klar Wissenschaftlicher Leiter des 2009 eröffnenden Emil Schumacher Museums in Hagen.
Alexander Klar ist Verfasser der Bücher Surreal People, Surrealism and Collaboration (London, 2007), Bleiern von Zeitüberdehnung und dem Neuen (Zirndorf, 2003) und ImDienste des Bayerischen Königs (München, 2002).
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